Dienstag, 14. Oktober 2008

schlüssel verloren

wo ist der beste ort seinen schlüssel zu verlieren?! richtig - im schloss der wohnungstür steckenlassen! aber so blöd bin ich ja nicht.
ich habe meinen schlüssel im schloss vom briefkasten steckengelassen. um die frage gleich zu beantworten: ja, unser name steht auf dem briefkasten.

aber eines muß ich auch gleich sagen, mich trifft keine schuld! das problem war, daß es in der tageszeitung keine werbung gab. das war das problem.
jeden morgen gehe ich auf dem weg zur uni/arbeit zum briefkasten, schließe auf, lasse den schlüssel stecken (achtung!), nehme die zeitung raus, drehe mich um, nehme die werbung aus der zeitung, werfe die werbung in den papierkorb, drehe mich wieder zurück, schließe ab, stecke den schlüssel in die tasche (nochmal achtung!) und gehe.

tja, und es gab eben keine werbung. zum ersten mal. damit entfiel so einiges: papierkorb, umdrehen, abschließen und (achtung!) schlüssel in die tasche.

bemerkt habe ich das ganze in der uni und dann folgten einige bange minuten und telefonate. schließlich ließ sich die sache mit einer flasche wodka regeln: der hausmeister hatte den schlüssel inzwischen sichergestellt und natürlich auch den briefkasten abgeschlossen. ordnung muß sein.
nur das mit der werbung, das war nicht in ordnung.

Donnerstag, 4. September 2008

bodensee


der nächste tag war verregnet. st. gallen haben wir uns angesehen, so gut es das wetter zu ließ. das beste war natürlich eine heiße schokolade in einer schokolaterie.
danach sind wir an den bodensee gefahren, genauer gesagt nach heiden, einem kleinen ort von dem wir außer einem sanatorium und der post nicht viel gesehen haben. von heiden aus hatte man einen guten blick auf den see, aber bis dorthin war es noch ein stück. also hieß es wandern.



unser ziel war rohrschach. der weg dahin hat über felder und wiesen, durch wälder und durch typische alpen-bilderbuch-landschaften geführt. und das beste ist, spazieren kostet ja nichts, genau das richtige für uns!

Mittwoch, 3. September 2008

zürich

ohne geld auf in die schweiz! skyba (der übrigens im prinzip auch ein sascha ist) hat uns eingeladen.


am ersten tag waren wir in zürich. tolle stadt, wie aus dem bilderbuch. um ehrlich zu sein, sieht die ganze schweiz so aus.




das wichtigste für uns war ja eigentlich immer einen billigen supermarkt zu finden. "migros" und "coop", so hießen unsere favoriten. eigentlich braucht man gar nicht viel um in der schweiz glücklich zu sein: käse, brot und eiskaffee. toiletten sind übrigens überall umsonst.


in diesem see hat schon tina turner gebadet! die wohnt nämlich hier. das wasser ist sehr klar und wenn man keine angst vor enten, schwänen und segelbooten hat, dann ist der zürichsee der perfekte badeort.


die präsidentensuite in skybas wohnheim! nur für uns! eigentlich ist das ein aufenthaltsraum. aber ein ungenutzter, und deshalb haben wir hier zweimal sehr gut geschlafen.

Sonntag, 10. August 2008

der mondsee


an unserem zweiten tag in den bergen haben wir eine wanderung zu einem bergsee auf 3400 meter höhe gemacht. als wir losgegangen sind, war es noch dunkel und kalt. wir waren 7 personen, ullrich und angelika, hartwig, professor tolmaz, masbut unser führer und wir zwei. es war ein toller tag - sonne, berge, sonnenbrand!


nach einer stunde lag dieses stück hinter uns (und wir haben nicht das esel-taxi am linken bildrand benutzt) und dieser berg vor uns:


es war sehr heiß und sehr anstrengend. einen großteil des weges sind wir zunächst entlang eines flusses gegangen, hier war der boden grün von gras und moos und relativ weich, besonders in einem flachen tal, daß wir am erreicht haben. hier war auch ein schäfer mit seinen schafen.
im prinzip sind wir ein langes tal entlang bergauf gewandert bis zu der stelle, wo wir dann der eigentliche anstieg begann. und der wurde lang und länger. die vegetation hat sich schlagartig geändert. man könnte eine linie ziehen wo die ebene endet und der berg beginnt. die berge bestehen aus festem sand und sind nur von büschen und kleinen bäumen bewachsen. auf einigen spitzen liegt ewiger schnee. unser ziel war ein kleines hochtal unterhalb der gipfel in dem es einen see gibt, den mondsee.
unsere gruppe wurde bei anstieg schon ziemlich schnell gesprengt, vorne weg ging der immer frühliche masbut ("wie geht es ihnen, meine gäste?") mit den beiden deutschen ullrich und hartwig. irgendwo dahinter wanderte angelika. ich war ebenfalls meist allein unterwegs, hab mich aber ab und zu nach hinten umgesehen und auf sasha gewartet. wir hatten auch nur zwei wasserflaschen und eine davon habe ich getragen. ganz hinten, unsichtbar für den rest, kämpfte professor tolmaz seinen einsamen kampf mit dem berg. nach dem ersten zwischenstopp ist er uns noch einmal begegnet, danach haben wir ihn für lange zeit nicht mehr gesehen.



auf dem video sieht man die berge, das tal aus dem wir kommen und den hang, an dem wir raufsteigen.
oben wurde dann alles ein bisschen flacher und es gab wieder wiesen. dann konnte man den see sehen und an einem kleinen trampelpfad war ein baum, der über und über mit kleinen bändern behängt war. hier binden die menschen ein band an und wünschen sich etwas vom mondsee. einige steigen extra hier herauf um sich kinder, gesundheit, glück oder sonst etwas zu wünschen.



an einigen stellen war das ufer trockener sand, an anderen stellen steine. die aussicht war fantastisch. innerhalb von drei stunden hatten wir es geschafft.


als sasha kam, fehlte nur noch der professor. und als wir irgendwann komplett waren wurde erstmal gegessen. masbut hatte eine ganze tasche voll wurst und brot usw. und hartwig hatte eine flasche cognac heraufgeschleppt von der aber keiner so richtig etwas wollte.
der boden war über und über mit schafkacke bedeckt. man mußte das einfach ignorieren, wenn man sich hier hinsetzen wollte. in der sonne war sowieso alles so ausgetrocknet, daß es ganz egal war. aber scheinbar ist der see ein wichtiger trink- und weideplatz. naja, für uns ja irgendwie auch.


dann ging es zurück, einen kleinen hügel hoch und dann nur noch runter, was auf die dauer auch ziemlich unangenehm werden kann. masbut und tolmaz sind teilweise rückwärts gelaufen. ich weiß nicht ob das eine übliche einheimische technik ist, ausprobiert habe ich das jedenfalls nicht.


nicht weit weg von unserem pfad gab es einen riesigen sandtrichter, ein kometeneinschlag oder sowas (wurde uns erzählt). das farbenspiel des sandes war jedenfalls beeindruckend. auf dem foto kommt es leider nicht so bunt und schön rüber wie es war.



der schäfer war immer noch im tal als wir dort ankamen. und das ist auch gar kein wunder, denn der bleibt den ganzen sommer hier und wenn die tiere zuviel abgefressen haben, zieht er für ein paar tage weiter hoch auf die bergwiesen. von den tieren (es waren mehrere hundert) gehören ihm nur 20 zwanzig, den rest hütet er nur und bekommt dafür geld. im winter werden die herden nach usbekistan oder kasachstan getrieben, dann liegt der schneee im tal einen meter hoch. so richtig viel lust zum erzählen hatte der schäfer nicht. ok, ihm ist wahrscheinlich langweilig, so stelle ich mir das zumindest vor, aber wenn dort jeden tag leute wie wir (wir waren nicht die einzigen an diesem tag) vorbeikommen und immer die gleichen fragen stellen, dann kann ich ihn verstehen. ich würde dann auch lieber zurück in den schatten gehen, mich auf die getrocknete schafkacke setzen und mich mit den schäferhunden langweilen.
zum schluß waren wir alle ziemlich müde. aber es war ein fantastischer tag.


und danach: müde beine, sonnenbrand und durchfall. wie und warum, das ist eine andere geschichte.

Samstag, 9. August 2008

fahrt in die berge


über staubige straßen ging es in die berge. viele straßen in tadschikistan sind nicht asphaltiert, obwohl gerade in letzter zeit einiges neu gebaut wird (oft mit chinesischem geld). die fahrt war nicht anstrengend, der fahrtwind hat uns gekühlt. schwierig wurde es nur als wir mal wieder zu viert auf der rückbank sitzen mußten. das ist in tadschikistan kein problem. auf der fahrt von der hochzeitsfeier nach hause haben wir mit 9 personen in einem mercedes gesessen: vier erwachsene und ein kind auf der rückbank, vorne zwei erwachsene und je ein kind auf dem schoß (da geld, daß wir dadurch für ein taxi gespart haben, wurde in 9 milcheis investiert).
leider ist eines der fahrzeuge unterwegs kaputt gegangen, deshalb haben wir irgendwo im nirgendwo an einer kreuzung den halben nachmittag verbracht. nach kurzer zeit wurden wir dort zur attraktion: ein LKW mit arbeitern auf der ladefläche drehte mehrere runden und wir wurden bejubelt. einfach so, weil es uns gab. dort an dieser kreuzung stehen wahrscheinlich nicht oft typen wie wir herum.


irgendwann ging es weiter. der nächste stopp war in einem "restaurant" oder tadschikischem "biergarten" oder so etwas, genau habe ich es nicht verstanden. es war ein ort an einem bergbach mit vielen bäumen und dazwischen plätze zum essen. serviert wurde das übliche: wassermelonen, honigmelonen, brot, pilaw und obst. alles hat sehr gut geschmeckt und es wurde wie immer viel diskutiert. außerdem tauchten wie immer neue gesichter auf. man macht praktisch ständig neue bekanntschaften, man setzt sich zusammen, erzählt und lernt sich kennen. tadschikistan ist ein sehr kommunikatives land. wie oft lernt man in deutschland eine neue person kennen? vielleicht eine pro monat? pro woche? in tadschikistan ist es mindestens eine pro mahlzeit!
nach den mahlzeiten kommt dann das, was sich (leider) nicht vermeiden läßt: der gang zur toilette. es sieht schlimmer aus, als es ist - aber es riecht wesentlich schlechter, als ihr euch vorstellen könnt! mit ein bisschen camping-erfahrung kommt man aber ganz gut zurecht.


unsere fahrt dauerte danach noch einige stunden. viel zeit um den himmel zu beobachten.



unsere unterkunft war so etwas wie ein feriendorf in den bergen. die zimmer waren in containern, es gab neue toiletten, eine kleine küche um speisen zuzubereiten und einen gemeinschaftsraum mit russischem fernsehen.
es war eine idylle: berge ringsum, die nacht war dunkel, ein paar jungs spielen fußball, die deutschen diskutieren über die plastikflaschen, die überall auf den wiesen herumliegen, im licht einer straßenlaterne wird eine ziege geschlachtet und im haus wird bereits das essen serviert (ohne ziege).

Freitag, 8. August 2008

umeds hochzeit

der perfekte tag für brautpaare auf aller welt: der 08.08.08. in umeds fall stand vor der hochzeit zunächst erstmal der brautraub an (die braut wußte allerdings davon und sie war auch einverstanden).
beim brautraub nehmen ausschließlich männliche, jugendliche verwandte/freunde des bräutigams teil. sasha durfte aber auch mitfahren. wir hatten ungefähr vier autos und waren ca. dreimal so viele.
das wichtigste am brautraub: man muß auto fahren wie ein räuber. am besten wie ein räuber auf der flucht, d. h. unter missachtung aller bekannten verkehrsregeln! also z. b. so schnell wie nur irgend möglich fahren und dabei viiiel überholen, überholen auf der falschen seite, überholen wo man nicht überholen darf, überholen wo man nicht überholen kann und dazwischen immer wieder überholen wo es nichts zum überholen gibt.

unser fahrer ließ sich auch von seinem alten auto nicht davon abhalten allen davonzufahren und erster zu sein. wenn sich eine gelegenheit bot, hatte er immer zwei wasserflaschen bereit: eine um die kühlflüssigkeit aufzufüllen und eine um sie über den motorblock zu gießen. trotz dieser methode waren wir die ersten.
unterwegs geschahen bemerkenswerte dinge: uns kam z. b. ein esel entgegen. der lief dort wo normalerweise die mittellinie ist (in tadschikistan gibt es so etwas nicht) und hat sich von den autos nicht im geringsten stören lassen. unseren fahrer hat der esel ebenfalls nicht aus der ruhe gebracht. mit vollgas sind wir an ihm vorbei geflogen. auf der falschen seite, versteht sich.
die zweite sache, die ich interessant fand war, daß wir einen teil der strecke einen polizisten an bord hatten. der fahrer kannte irgendwie jeden streifenpolizisten, der am straßenrand stand. ok, bei der fahrweise lernt man früher oder später wahrscheinlich wirklich jeden polizist kennen. naja, und einer von denen ist dann eine strecke mit uns mitgefahren, der wollte irgendwohin. und genau als der bei uns drin saß hatten wir fast einen tierischen unfall.
im normalfall quetscht man sich in tadschikistan mit dem auto in jede lücke, wenn man es eilig hat. aber auch ein tadschike kann die physik nicht außer kraft setzen. und wo kein lücke ist, da kann man auch nicht reinfahren. dachte ich.
kann man aber. und dann: jeder ist voll auf die bremsen gegangen und als alle beteiligten fahrzeuge zum stehen gekommen sind, hat sich herausgestellt, was sich in solchen situationen immer herausstellt: is doch gar nix passiert!

irgendwann waren wir da. dachten wir zumindest. aber irgendwie sahen alle höfe in der gegend gleich aus. wir sind dann kreuz und quer durch alle nebenstraßen (alles sandwege übrigens), jeder fahrer meinte er weiß wohin, und seltsamerweise sind wir am ende doch alle am richtigen hof angekommen.
dort wurden wir empfangen und bekamen in etwas zu essen. in einem kleinen nebenraum, der sommerküche, war eine tafel für uns aufgebaut. nach einiger zeit gab es auf dem hof musik. eine gruppe von musikanten haben auf großen trompeten, offensichtlich traditionellen instrumenten, einen ziemlich antreibenden rhythmus gespielt. zu diesem haben wir dann getanzt, so gut es ging. das war ganz lustig. ich durfte sogar eine der trompeten spielen.
jeder gast hat ein tuch bekommen, daß wie ein gürtel getragen wird. das ist üblich so. umed wurde noch schnell (für die offiziellen bilder) in ein traditionelles gewand gesteckt, nur für zwei minuten, und dann haben wir den hof wieder verlassen. von der braut war bis hier nichts zu sehen.
draußen auf der straße gab es eine menschenmenge aus hauptsächlich nachbarn und wahrscheinlich auch einigen verwandten. hier haben wir gewartet und uns unterhalten, bis umed allein in den hof zurückgegangen ist. nach einigen minuten kamen sie dann:


mit der braut, parvina, im gepäck ging es dann zurück nach khujand. jetzt übrigens nicht mehr ganz so schnell. an einem prächtigen gebäude mit park sind wir dann mit einem großteil der näheren verwandten, vor allem auch freundinnen der braut, zusammen getroffen.
das gebäude, ich würde es schloss nennen, ist der sitz einer ehemaligen kolchose. darauf wäre ich nie gekommen. jedenfalls ist es ein unbedingtes muss sich dort als brautpaar fotogrfieren zu lassen. jedenfalls ist die "brautpaardichte" nirgendwo so hoch wie hier (siehe fotos), man sieht sie überall und alle haben die gleichen motive auf ihren hochzeitsbildern. aber niemand war so schön wie umed und parvina.





von der braut wird übrigens verlangt, daß sie während der hochzeit den blick demütig zu boden richtet und sich verbeugt, wenn man sie beglückwünscht oder beschenkt. mit schlechter stimmung hat das aber gar nichts zu tun, was man auch am gesicht des bräutigams sehen kann.

zur hochzeitsfeier waren wir dann in einem restaurant am fluß. die tische standen in einem großen U um einen brunnen und an der stirnseite befand sich der tisch des brautpaares und der trauzeugen, die übrigens den ganzen abend dort verbraucht haben und den tisch fast gar nicht verließen.



uns wurde gesagt, daß es früher nicht unüblich war zu einer hochzeit bis zu 3000 menschen einzuladen (die meisten kommen dann allerdings ohne einladung), jetzt gibt es allerdings ein gesetzt, daß solche feiern auf maximal 150 gäste beschränkt. das sind 15 mal so viele personen wie bei unserer hochzeit. ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt so viele leute kenne.
für die stimmung war es jedenfalls genau richtig. es haben sich zwar nicht alle beteiligt, aber dafür wurden wir europäer ständig aufgefordert zu tanzen (sasha und ich waren nicht die einzigen gäste aus deutschland, aber das erzähle ich ein anderes mal). sasha ist dem natürlich in ihrer begeisternden art höchst enthusiastisch nachgekommen und so haben wir schon bald eine polonaise um den brunnen angeführt. als sich umed und parvina dann sogar einmal auf der tanzfläche gezeigt haben, war die stimmung am kochen.


leider war die feier viel zu schnell vorbei, schien mir jedenfalls. aber ich hatte auch eine blase am fuß und konnte nicht mehr tanzen. außerdem waren wir mal wieder richtig satt, denn den ganzen abend gab es zu essen.
und gerade als ich dachte, die hochzeit ist gelaufen, der tag vorbei, zeit sich auszuruhen, da nahm die veranstaltung noch einmal richtig fahrt auf!
wir waren inzwischen zu umeds hof gefahren und dort waren unglaublich viele menschen, wahrscheinlich die ganze straße, die auf das paar gewartet haben. bevor sie haus und hof betreten ist es jedoch sitte, daß sie (und wir und alle) um ein feuer tanzen um böse geister zu verteiben. das war das tolle ende eines schönen tages.

Donnerstag, 7. August 2008

Khujand / Хуҷанд

die deutsche schreibweise ist angeblich "chudschand", international manchmal auch "khudzhand", egal wie man es schreibt, gesprochen wird es so wie man die deutsche version schreibt.


daß man sich in zentralasien befindet, wird einem spätestens auf dem platz vor der moschee klar. das haus, in dem wir wohnen, könnte im prinzip irgendwo in der ehemaligen sowjetunion stehen, aber eine solche moschee, die gibt es in kiew und moskau nicht.
der platz vor der moschee ist der einzige, an dem wir bettler getroffen haben. in tadschikistan wird nicht gebettelt, scheint mir. alle haben etwas zu tun, und wenn es nur saft verkaufen, schuhe putzen oder das vermieten einer personenwaage ist - total besoffen auf der straße herumliegen gibt es nicht.
die jungs müssen hier sehr früh mit anpacken, überall sieht man sie getränke verkaufen oder als ticketverkäufer in den kleintaxis. mädchen gehen mit ihren schwestern und tanten einkaufen. so lernt jeder früh, was er später einmal braucht. männer machen geschäfte, frauen den haushalt.

abduwali, unser fremdenführer, lernt seit drei monaten deutsch. er kann sätze wie "deutschland ist ein hochtechnologisiertes land" oder "ich denke tadschikistan braucht neue technologien in der landwirtschaftlichen produktion". sehr beeindruckend. nur fragen sollte man ihn nichts. weder wo die post ist, noch nach der uhrzeit oder seinen hobbies. dann brechen seine deutschkenntnisse in sich zusammen.
oh, und auf keinen fall sollte man ihn nach der landwirtschaftlichen produktion befragen. es besteht die gefahr, daß er in einen langen landwirtschaftlichen monolog verfällt...

trotz seiner hilfslosigkeit uns gegenüber hat er sich viel mühe gegeben. sein uralter mercedes war immer für uns bereit, er hat uns eine tadschikische telefonkarte besorgt und sogar für den spaziergang in der stadt hatte er einen passenden satz im repertoire: "möchten Sie ein museeum besuchen?"
um ihn nicht zu enttäuschen und weil eine diskussion darüber auch nicht möglich war, haben wir uns das museeum mal angesehen. um ehrlich zu sein. weder abduwali noch die angestellten des museeums wußten genau, was da eigentlich ausgestellt wird.


interessant war es trotzdem. das museum ist in einer art burg oder festung. das beste gleich vorweg: innen gibt es eine klimaanlage! da es draußen über 40 grad im schatten waren, hatte sich das eintrittsgeld schnell gelohnt.
bevor es losging, haben wir uns pantoffeln über die schuhe gezogen. und dann sind wir zunächst einmal in den keller gegange, um die ausstellung sozusagen systematisch von unten nach oben zu durchschreiten. wie sich bald herausstellte war das gar nicht notwendig, denn das museum folgte offenkundig keinem system. der erste raum im keller war leer, keine erklärung, nix. an den wänden waren prächtige mosaiken mit griechisch anmutenden motiven. griechische götter usw. und dann war dort ein besonders großes mosaik mit einem mann, der scheinbar kein gott, aber doch ziemlich mächtig war. wie gesagt, es gab keine hinweisschilder oder ähnliches und abduwali konnte dazu auch nichts beitragen. ich habe ihn dann gefragt, ob das alexander der große ist (der heißt im osten übrigens überall alexander makedonskij) und er antwortete "ja". aus wikipedia weiß ich inzwischen: "Nach der Einnahme von Samarkand zog Alexander noch weiter bis zum Syrdarja und gründete dort im Mai 329 v. Chr. die Stadt Alexandria Eschatê („das entfernteste Alexandria“), das heutige Chudschand in Tadschikistan".
im zweiten kellerraum gab es irgendwelche urmenschen zu bestaunen, ur-tadschiken also. so habe ich mir das jedenfalls erklärt. wir sind dann wieder nach oben gegangen und dort war es dann schon bedeutend interessanter. die eigentliche ausstellung befand sich im hauptsaal des museums (der keller war wohl eher das kuriositätenkabinett), hier wurde man über die letzten jahrhunderte tadschikischer geschichte informiert. ich glaube das war für uns alle, ich schließe abduwali mal mit ein, ganz lehrreich. irgendwann hatten wir dann genug von der klimaanlage und allem und sind wieder auf die straße gegangen.


überall in khujand sieht man die berge am horizont, im norden das alai-gebirge (dahinter liegt kirgistan) und im süden das tianshan (dahinter kommt man in den südlichen teil tadschikistans bis hinein ins pamir-gebirge). unglaubliche 70% des landes sind hochgebirge, über die hälfte liegt über 3000m.


khujand liegt im ferghanatal am fluß syrdarja (der übrigens in den aralsee mündet und dort fast kein wasser mehr hat, bzw. manchmal den see gar nicht mehr erreicht), dadurch ist die region so eine art grüne oase in tadschikistan, mit baumwollproduktion, wasser- und honigmelonen, weintrauben, usw. an fast jeder straße laufen ununterbrochen mehrere wasserhähne und bewässern den straßenrand. nur in der wohnung gibt es manchmal kein wasser.


nach einem ersten spaziergang in der stadt und einer langen ruhepause im schatten am fluss sind wir auf dem rückweg auf dem markt gegenüber der moschee gewesen. nach auskunft aller, mit denen wir gesprochen haben, ist dieser markt der größte in zentralasien. ob das stimmt, weiß ich nicht, aber es ist definitiv der größte auf dem ich bisher gewesen bin. verkauft wird im prinzip alles, was man sich vorstellen kann (außer postkarten, aber das ist eine andere geschichte). man sollte seine ansprüche was hygiene angeht am besten zu hause lassen. vor allem, wenn man sieht wie und welches fleisch dort verkauft wird, wird man zum vegetarier. ich will darauf nicht näher eingehen. die menschen essen es und es geht ihnen gut dabei. viel interessanter sind die unmengen an wassermelonen, die in khujand verkauft werden, zu einem spottpreis von umgerechnet wenigen cent. wie gesagt, es gab dort so viel zu sehen, ich kann das gar nicht alles aufzählen. leider war es schon spät und der markt hat langsam dicht gemacht. in der großen halle wurde schon eingepackt und draußen war ein geschiebe und gedränge, daß ich froh war als ich mich irgendwann wieder frei bewegen konnte (der markt erstreckt sich über sämtliche nebenstraßen).


der erste tag in tadschikistan endete bei unserem gastgeber umed. umed wohnt mit seiner mutter (und inzwischen seiner frau) in einem haus am stadtrand. die häuser in tadschikistan sind wie kleine festungen gebaut. zur straße hin gibt es im prinzip keine fenster, nur ein hoftor. im innenhof gibt es dagegen viel platz. auf umeds hof gibt es überall wein, der einem über den köpfen quasi in den mund wächst, es gibt blumen, einige schuppen, eine garage und das haus besteht aus vielen zimmer, die nebeneinandergebaut sind und durch die terasse verbunden sind.
es waren viele frauen dort, die bei den hochzeitsvorbereitungen geholfen haben, die haben im prinzip ständig etwas zu essen hervorgezaubert. die frauen sitzen an einem eigenen platz, alle sitzen auf dem boden oder auf dem katt, einem großen tisch, AUF dem man sitzt. wir, die männer und sasha haben auf dem katt gesessen und gegessen. es gab die typische tadschikische speisekarte: wasser- und honigmelonen, brot, weintrauben (hell und dunkel), pistazien, mandeln und andere nüsse und natürlich pilaw (auf russisch plow, in zentralasien palav), ein reisgericht mit fleischstückchen drin. (kleiner tipp: am besten nicht zugucken wie das fleisch zubereitet wird). alles schmeckt prima, die honigmelonen sind so süß wie sie bei uns nie sind, weintrauben gibt es ebenfalls in unbegrenzten mengen und mein persönlicher favorit: pistazien. bei uns sind die so teuer und dort gibt es sie überall.