Freitag, 8. August 2008

umeds hochzeit

der perfekte tag für brautpaare auf aller welt: der 08.08.08. in umeds fall stand vor der hochzeit zunächst erstmal der brautraub an (die braut wußte allerdings davon und sie war auch einverstanden).
beim brautraub nehmen ausschließlich männliche, jugendliche verwandte/freunde des bräutigams teil. sasha durfte aber auch mitfahren. wir hatten ungefähr vier autos und waren ca. dreimal so viele.
das wichtigste am brautraub: man muß auto fahren wie ein räuber. am besten wie ein räuber auf der flucht, d. h. unter missachtung aller bekannten verkehrsregeln! also z. b. so schnell wie nur irgend möglich fahren und dabei viiiel überholen, überholen auf der falschen seite, überholen wo man nicht überholen darf, überholen wo man nicht überholen kann und dazwischen immer wieder überholen wo es nichts zum überholen gibt.

unser fahrer ließ sich auch von seinem alten auto nicht davon abhalten allen davonzufahren und erster zu sein. wenn sich eine gelegenheit bot, hatte er immer zwei wasserflaschen bereit: eine um die kühlflüssigkeit aufzufüllen und eine um sie über den motorblock zu gießen. trotz dieser methode waren wir die ersten.
unterwegs geschahen bemerkenswerte dinge: uns kam z. b. ein esel entgegen. der lief dort wo normalerweise die mittellinie ist (in tadschikistan gibt es so etwas nicht) und hat sich von den autos nicht im geringsten stören lassen. unseren fahrer hat der esel ebenfalls nicht aus der ruhe gebracht. mit vollgas sind wir an ihm vorbei geflogen. auf der falschen seite, versteht sich.
die zweite sache, die ich interessant fand war, daß wir einen teil der strecke einen polizisten an bord hatten. der fahrer kannte irgendwie jeden streifenpolizisten, der am straßenrand stand. ok, bei der fahrweise lernt man früher oder später wahrscheinlich wirklich jeden polizist kennen. naja, und einer von denen ist dann eine strecke mit uns mitgefahren, der wollte irgendwohin. und genau als der bei uns drin saß hatten wir fast einen tierischen unfall.
im normalfall quetscht man sich in tadschikistan mit dem auto in jede lücke, wenn man es eilig hat. aber auch ein tadschike kann die physik nicht außer kraft setzen. und wo kein lücke ist, da kann man auch nicht reinfahren. dachte ich.
kann man aber. und dann: jeder ist voll auf die bremsen gegangen und als alle beteiligten fahrzeuge zum stehen gekommen sind, hat sich herausgestellt, was sich in solchen situationen immer herausstellt: is doch gar nix passiert!

irgendwann waren wir da. dachten wir zumindest. aber irgendwie sahen alle höfe in der gegend gleich aus. wir sind dann kreuz und quer durch alle nebenstraßen (alles sandwege übrigens), jeder fahrer meinte er weiß wohin, und seltsamerweise sind wir am ende doch alle am richtigen hof angekommen.
dort wurden wir empfangen und bekamen in etwas zu essen. in einem kleinen nebenraum, der sommerküche, war eine tafel für uns aufgebaut. nach einiger zeit gab es auf dem hof musik. eine gruppe von musikanten haben auf großen trompeten, offensichtlich traditionellen instrumenten, einen ziemlich antreibenden rhythmus gespielt. zu diesem haben wir dann getanzt, so gut es ging. das war ganz lustig. ich durfte sogar eine der trompeten spielen.
jeder gast hat ein tuch bekommen, daß wie ein gürtel getragen wird. das ist üblich so. umed wurde noch schnell (für die offiziellen bilder) in ein traditionelles gewand gesteckt, nur für zwei minuten, und dann haben wir den hof wieder verlassen. von der braut war bis hier nichts zu sehen.
draußen auf der straße gab es eine menschenmenge aus hauptsächlich nachbarn und wahrscheinlich auch einigen verwandten. hier haben wir gewartet und uns unterhalten, bis umed allein in den hof zurückgegangen ist. nach einigen minuten kamen sie dann:


mit der braut, parvina, im gepäck ging es dann zurück nach khujand. jetzt übrigens nicht mehr ganz so schnell. an einem prächtigen gebäude mit park sind wir dann mit einem großteil der näheren verwandten, vor allem auch freundinnen der braut, zusammen getroffen.
das gebäude, ich würde es schloss nennen, ist der sitz einer ehemaligen kolchose. darauf wäre ich nie gekommen. jedenfalls ist es ein unbedingtes muss sich dort als brautpaar fotogrfieren zu lassen. jedenfalls ist die "brautpaardichte" nirgendwo so hoch wie hier (siehe fotos), man sieht sie überall und alle haben die gleichen motive auf ihren hochzeitsbildern. aber niemand war so schön wie umed und parvina.





von der braut wird übrigens verlangt, daß sie während der hochzeit den blick demütig zu boden richtet und sich verbeugt, wenn man sie beglückwünscht oder beschenkt. mit schlechter stimmung hat das aber gar nichts zu tun, was man auch am gesicht des bräutigams sehen kann.

zur hochzeitsfeier waren wir dann in einem restaurant am fluß. die tische standen in einem großen U um einen brunnen und an der stirnseite befand sich der tisch des brautpaares und der trauzeugen, die übrigens den ganzen abend dort verbraucht haben und den tisch fast gar nicht verließen.



uns wurde gesagt, daß es früher nicht unüblich war zu einer hochzeit bis zu 3000 menschen einzuladen (die meisten kommen dann allerdings ohne einladung), jetzt gibt es allerdings ein gesetzt, daß solche feiern auf maximal 150 gäste beschränkt. das sind 15 mal so viele personen wie bei unserer hochzeit. ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt so viele leute kenne.
für die stimmung war es jedenfalls genau richtig. es haben sich zwar nicht alle beteiligt, aber dafür wurden wir europäer ständig aufgefordert zu tanzen (sasha und ich waren nicht die einzigen gäste aus deutschland, aber das erzähle ich ein anderes mal). sasha ist dem natürlich in ihrer begeisternden art höchst enthusiastisch nachgekommen und so haben wir schon bald eine polonaise um den brunnen angeführt. als sich umed und parvina dann sogar einmal auf der tanzfläche gezeigt haben, war die stimmung am kochen.


leider war die feier viel zu schnell vorbei, schien mir jedenfalls. aber ich hatte auch eine blase am fuß und konnte nicht mehr tanzen. außerdem waren wir mal wieder richtig satt, denn den ganzen abend gab es zu essen.
und gerade als ich dachte, die hochzeit ist gelaufen, der tag vorbei, zeit sich auszuruhen, da nahm die veranstaltung noch einmal richtig fahrt auf!
wir waren inzwischen zu umeds hof gefahren und dort waren unglaublich viele menschen, wahrscheinlich die ganze straße, die auf das paar gewartet haben. bevor sie haus und hof betreten ist es jedoch sitte, daß sie (und wir und alle) um ein feuer tanzen um böse geister zu verteiben. das war das tolle ende eines schönen tages.

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